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Motorrad-Kette spannen: Durchhang prüfen und richtig einstellen

Von dw_moto · · 6 Min. Lesezeit

Eine Motorrad-Kette spannen Sie, indem Sie die Hinterachsmutter lösen, das Hinterrad mit den Kettenspannern gleichmäßig nach hinten ziehen, bis der vom Hersteller angegebene Durchhang erreicht ist, und die Achse anschließend mit dem vorgeschriebenen Drehmoment festziehen. Der richtige Durchhang steht in der Betriebsanleitung oder auf einem Aufkleber an der Schwinge – einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht. Wichtig ist, dass das Hinterrad danach exakt in der Spur läuft.

Warum die Kettenspannung so wichtig ist

Die Kette überträgt die gesamte Motorkraft auf das Hinterrad. Ist sie zu locker, schlägt sie, verschleißt schneller und kann im Extremfall vom Ritzel springen. Ist sie zu stramm, belastet sie Getriebeausgangswelle, Radlager und Kettenräder und kann beim Einfedern unter zu hohe Spannung geraten. Beides verkürzt die Lebensdauer des Kettensatzes und kann die Fahrsicherheit beeinträchtigen.

Eine Kette längt sich im Betrieb. Deshalb sollten Sie die Spannung regelmäßig kontrollieren – die Herstellerangaben nennen dafür Intervalle in Kilometern, viele Fahrer prüfen zusätzlich vor längeren Touren und nach Regenfahrten.

Was Sie brauchen

  • Betriebsanleitung mit Sollwert für den Durchhang und Anzugsmomenten
  • Montageständer oder Hauptständer (je nach Herstellervorgabe)
  • Passende Schlüssel bzw. Nüsse für Achsmutter und Kettenspanner
  • Drehmomentschlüssel
  • Zollstock oder Lineal, eventuell ein Kettenfluchtwerkzeug
  • Kettenreiniger und Kettenspray

Werkzeug, Kettenpflegemittel und Kettensätze erhalten Sie in einem Motorradgeschäft oder beim Ersatzteilhandel.

Durchhang richtig messen

Achten Sie zunächst darauf, unter welchen Bedingungen der Hersteller misst: auf dem Seitenständer, auf dem Montageständer oder mit belastetem Fahrzeug. Die Angaben unterscheiden sich je nach Modell. So gehen Sie vor:

  1. Getriebe in den Leerlauf schalten, Motor aus.
  2. Rad drehen und die straffste Stelle der Kette suchen – Ketten längen sich oft ungleichmäßig.
  3. In der Mitte des unteren Kettentrums zwischen Ritzel und Kettenrad die Kette nach oben und unten drücken.
  4. Den Gesamtweg mit dem Zollstock messen und mit dem Sollwert vergleichen.

Motorrad-Kette spannen: Schritt für Schritt

1. Achsmutter lösen

Lösen Sie die Hinterachsmutter so weit, dass sich das Rad verschieben lässt. Bei manchen Modellen müssen zusätzlich Klemmschrauben oder Sicherungssplinte gelöst werden.

2. Kettenspanner gleichmäßig verstellen

Kontermuttern lösen und die Spannschrauben links und rechts um denselben Betrag drehen – etwa jeweils eine viertel oder halbe Umdrehung. Die Markierungen an der Schwinge helfen, beide Seiten gleich einzustellen. Bei Exzenterverstellungen (häufig bei Einarmschwingen) wird die Achsaufnahme gedreht; das Vorgehen beschreibt die Betriebsanleitung.

3. Durchhang erneut messen

Nach jeder Verstellung erneut an der straffsten Stelle messen. Lieber in kleinen Schritten arbeiten als zu stark spannen.

4. Spur kontrollieren

Die Markierungen an der Schwinge sind nicht immer exakt. Prüfen Sie die Flucht zusätzlich mit einem Kettenfluchtwerkzeug oder indem Sie von hinten entlang der Kette auf das Ritzel schauen. Ein schief stehendes Hinterrad verschleißt Kette und Kettenräder einseitig und kann das Fahrverhalten beeinflussen.

5. Achse festziehen

Hinterachsmutter mit dem Drehmomentschlüssel auf den Herstellerwert anziehen, Kontermuttern der Spanner sichern und gegebenenfalls einen neuen Splint einsetzen. Durchhang danach noch einmal kontrollieren, denn beim Festziehen kann sich die Einstellung leicht verändern.

6. Schmieren und Probefahrt

Kette bei Bedarf reinigen und schmieren – idealerweise, wenn sie warm ist, mit anschließender Ablüftzeit. Auf einer kurzen, vorsichtigen Probefahrt achten Sie auf Geräusche und Rucken. Prüfen Sie danach die Bremse hinten: Bei manchen Modellen verschiebt sich mit dem Rad auch der Bremssattelhalter.

Typische Fehler beim Kettespannen

  • Nur an einer Stelle messen: Wer die straffste Stelle nicht sucht, stellt die Kette womöglich zu stramm ein.
  • Beide Seiten ungleich verstellen: Das Hinterrad steht schräg, Kette und Reifen verschleißen einseitig.
  • Achsmutter nach Gefühl anziehen: Zu lose kann sich die Achse verschieben, zu fest können Gewinde oder Lager leiden.
  • Falscher Messzustand: Auf dem Seitenständer gemessen, obwohl der Hersteller den Montageständer vorgibt – oder umgekehrt.
  • Schmierung vergessen: Eine trockene Kette verschleißt schneller und längt sich früher.

Kettenpflege zwischen den Kontrollen

Regelmäßiges Reinigen und Schmieren verlängert die Lebensdauer deutlich. Verwenden Sie Reiniger und Spray, die für O-Ring- oder X-Ring-Ketten geeignet sind, und vermeiden Sie aggressive Lösungsmittel oder Hochdruckreiniger direkt auf der Kette. Nach Regenfahrten oder im Winter lohnt eine zusätzliche Pflege, weil Wasser und Streusalz Korrosion fördern. Wer das Motorrad über die kalte Jahreszeit abstellt, findet weitere Hinweise unter Motorrad winterfest machen.

Wann statt Spannen ein neuer Kettensatz fällig ist

AnzeichenWas es bedeutet
Kettenspanner am Ende des VerstellbereichsKette ist zu stark gelängt
Kette lässt sich am Kettenrad hinten deutlich abhebenVerschleiß von Kette und/oder Kettenrad
Spitze oder hakenförmige Zähne an Ritzel/KettenradKettenräder verschlissen
Steife Glieder, Rost, beschädigte O-RingeKette läuft ungleichmäßig, Verschleiß beschleunigt
Durchhang schwankt stark über den UmfangUngleichmäßige Längung

Kette, Ritzel und Kettenrad werden in der Regel gemeinsam als Kettensatz getauscht, weil eine neue Kette auf verschlissenen Rädern schnell wieder verschleißt. Das Vernieten des Kettenschlosses erfordert Spezialwerkzeug und Erfahrung – Clipschlösser sind nicht für jede Kette und Leistungsklasse freigegeben.

Kette, HU und Werkstatt

Bei der Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO prüfen Sachverständige den Zustand des Fahrzeugs, wozu auch der Antrieb gehört. Ein stark verschlissener oder falsch eingestellter Kettensatz kann als Mangel gewertet werden. Was bei der HU ansteht, lesen Sie im Beitrag zu den Kosten der Motorrad-HU.

Eine Motorradwerkstatt ist sinnvoll, wenn Ihnen Drehmomentschlüssel oder Ständer fehlen, das Hinterrad nach dem Spannen nicht sauber fluchtet, ein Kettensatz getauscht werden muss oder die Kettenspannung trotz Einstellung schnell wieder nachlässt. Kettenkontrolle und -pflege sind außerdem häufig Teil der regulären Wartung, siehe was eine Motorrad-Inspektion kostet.

Ansprechpartner sind zum Beispiel Lietz Motorradtechnik in Stuttgart, M.A.D. Motorräder in Karlsruhe oder KTM Dresden. Weitere Betriebe zeigen die Seiten zu Motorradbetrieben in Karlsruhe und Motorradbetrieben in Dresden. Bringen Sie zum Termin Fahrzeugschein und, falls vorhanden, das Serviceheft mit; bei einem Kettensatztausch hilft die Angabe des genauen Modells und Baujahrs bei der Teilebestellung.

Häufige Fragen

Wie viel Durchhang braucht eine Motorradkette?

Das ist modellabhängig. Straßenmaschinen und Enduros mit langem Federweg haben unterschiedliche Sollwerte. Maßgeblich ist die Angabe in der Betriebsanleitung oder auf dem Aufkleber an der Schwinge.

Wie oft sollte ich die Kettenspannung prüfen?

Nach den Intervallen des Herstellers, zusätzlich vor längeren Fahrten und bei ungewöhnlichen Geräuschen. Neue Ketten längen sich anfangs etwas schneller.

Ist eine zu straffe Kette schlimmer als eine zu lockere?

Beides schadet. Eine zu straffe Kette belastet Lager und Getriebe, eine zu lockere kann schlagen oder abspringen. Ziel ist immer der Sollwert.

Kann ich die Kette ohne Montageständer spannen?

Bei Motorrädern mit Hauptständer ja. Sonst ist ein Montageständer sehr hilfreich, um das Rad frei zu drehen und den Durchhang an mehreren Stellen zu messen.

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