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Motorrad-Reifendruck: Richtig prüfen und einstellen

Von dw_moto · · 6 Min. Lesezeit

Der richtige Motorrad-Reifendruck steht in der Betriebsanleitung, häufig auch auf einem Aufkleber an Schwinge, Rahmen oder Kettenschutz, und gilt für kalte Reifen. Prüfen Sie den Druck regelmäßig vor Fahrtantritt mit einem verlässlichen Manometer und passen Sie ihn bei Soziusbetrieb oder Gepäck an die Herstellerangaben an. Einen allgemeinen Wert für alle Motorräder gibt es nicht.

Warum der Reifendruck beim Motorrad so viel ausmacht

Ein Motorrad steht auf zwei kleinen Kontaktflächen. Schon geringe Abweichungen verändern Lenkverhalten, Kurvenstabilität, Bremsweg und Verschleiß. Zu niedriger Druck macht das Motorrad träge, lässt den Reifen stärker walken und erwärmen und erhöht den Verschleiß an den Flanken. Zu hoher Druck verkleinert die Aufstandsfläche und kann den Grip, besonders bei Nässe, verringern. Reifen verlieren zudem über die Zeit langsam Luft, auch ohne Schaden.

Wo Sie den Sollwert finden

  • Betriebsanleitung: Tabelle mit Werten für Solo- und Soziusbetrieb, oft getrennt für Vorder- und Hinterrad.
  • Aufkleber am Fahrzeug: an Schwinge, Rahmen oder Kettenschutz.
  • Reifenhersteller: Bei bestimmten Reifenmodellen oder Sondergrößen geben Reifenhersteller eigene Empfehlungen heraus.

Die Angabe auf der Reifenflanke («max. pressure») ist der maximal zulässige Druck des Reifens, nicht der empfohlene Fülldruck für Ihr Motorrad. Wer die Anleitung nicht mehr hat, kann beim Fachhändler der jeweiligen Marke nachfragen, etwa bei der Euler Group BMW Motorrad für BMW-Modelle oder bei Dirk Behre Motorräder in Lehrte für die dort vertretenen Marken.

So messen Sie richtig

Kalt messen

Die Sollwerte gelten für kalte Reifen, also vor der Fahrt oder nach längerer Standzeit. Nach der Fahrt ist der Druck durch die Erwärmung höher. Lassen Sie deshalb keine Luft aus einem warmen Reifen ab, nur weil der Wert über dem Sollwert liegt – sonst ist der Druck nach dem Abkühlen zu niedrig.

Ablauf

  1. Ventilkappe abschrauben.
  2. Manometer gerade und zügig aufsetzen, Wert ablesen.
  3. Bei Bedarf Luft nachfüllen oder ablassen und erneut messen.
  4. Ventilkappe wieder aufsetzen – sie schützt das Ventil vor Schmutz.
  5. Dabei gleich Reifen auf Fremdkörper, Schnitte und Risse ansehen.

Welches Messgerät?

Tankstellengeräte sind praktisch, können aber unterschiedlich genau sein. Ein eigenes Manometer – analog oder digital – bietet konstante Vergleichswerte. Bei manchen Felgen erleichtert ein Winkeladapter das Aufsetzen an das Ventil, besonders bei großen Bremsscheiben. Manometer und Adapter führen Motorrad-Ersatzteilgeschäfte.

Wie oft prüfen?

Hersteller und Fachorganisationen empfehlen eine regelmäßige Kontrolle, und zwar häufiger als beim Auto. Bewährt hat sich:

  • vor jeder längeren Tour,
  • vor Fahrten mit Sozius oder Gepäck,
  • nach längerer Standzeit, etwa zum Saisonstart,
  • nach einem Reifenwechsel oder einer Reparatur,
  • bei verändertem Fahrgefühl.

Warnzeichen für falschen Luftdruck

Nicht jede Abweichung bemerken Sie sofort. Achten Sie auf diese Hinweise:

  • Das Motorrad lenkt schwerfällig ein oder will in Kurven nicht auf Linie bleiben.
  • Das Vorderrad fühlt sich beim Bremsen unruhig an.
  • Der Reifen zeigt ungleichmäßigen Verschleiß, etwa stark abgefahrene Flanken oder eine abgeflachte Mitte.
  • Das Fahrwerk wirkt bei Unebenheiten ungewohnt hart.

In solchen Fällen zuerst den Druck kalt messen. Bleibt das Fahrgefühl trotz korrektem Wert auffällig, können auch Fahrwerk, Lenkkopflager oder Radlager die Ursache sein – das gehört in die Werkstatt.

Reifendruckkontrollsysteme (RDKS)

Einige Motorräder haben ab Werk Sensoren, die den Druck überwachen und im Display anzeigen. Nachrüstsysteme gibt es ebenfalls. Ein RDKS ersetzt jedoch nicht den Blick auf die Reifen. Beim Reifenwechsel müssen Sensoren beachtet werden – sagen Sie der Werkstatt Bescheid, dass Ihr Motorrad damit ausgestattet ist.

Profiltiefe und Reifenalter: Was gesetzlich gilt

Für den Reifendruck selbst gibt es keine gesetzliche Zahl, wohl aber für das Profil. Nach § 36 Abs. 3 StVZO müssen die Hauptrillen der Lauffläche am ganzen Umfang mindestens 1,6 mm tief sein; für Leichtkrafträder und Kleinkrafträder genügt 1 mm. Als Hauptprofil gelten die breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa drei Viertel der Breite einnimmt.

FahrzeugGesetzliche Mindestprofiltiefe
Krafträder (z. B. A2, A)1,6 mm
Leichtkrafträder, Kleinkrafträder (z. B. A1, AM)1 mm

Das gesetzliche Minimum ist kein Empfehlungswert. Viele Fachleute raten, Motorradreifen schon früher zu tauschen, weil Haftung und Wasserableitung mit abnehmendem Profil nachlassen. Auch das Alter spielt eine Rolle: Das Herstellungsdatum steht als vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke (Woche und Jahr). Gummi härtet mit der Zeit aus; ältere Reifen sollten Sie in einer Werkstatt beurteilen lassen.

Reifenzustand und Profiltiefe sind auch Prüfpunkte bei der Hauptuntersuchung, mehr dazu im Beitrag Motorrad-HU: Kosten und Ablauf.

Reifendruck beim Gebrauchtkauf und bei der Probefahrt

Beim Kauf eines gebrauchten Motorrads lohnt der Blick auf Profil, DOT-Nummer und gleichmäßigen Verschleiß. Einseitig abgefahrene Reifen oder eine abgeflachte Mitte können auf falschen Luftdruck oder überwiegende Autobahnnutzung hinweisen. Wer vor dem Kauf eine Runde dreht, sollte vorher den Druck kontrollieren – Tipps dazu stehen im Beitrag zur Motorrad-Probefahrt. Gleiches gilt für die Antriebskette, siehe Motorrad-Kette spannen.

Wann Sie zur Werkstatt fahren sollten

  • Der Reifen verliert regelmäßig Luft (mögliche Ursachen: Fremdkörper, undichtes Ventil, beschädigte Felge).
  • Sie entdecken Schnitte, Beulen oder Risse.
  • Das Profil nähert sich der Verschleißgrenze oder die Reifen sind schon älter.
  • Nach einer Pannenreparatur mit Reifenpilot oder Dichtmittel.

Reifenmontage und -auswuchten übernehmen viele Motorradhändler mit Werkstatt. In Hannover ist das Motorradhaus Ullmann eine Anlaufstelle; weitere Betriebe zeigen die Seiten Motorradbetriebe in der Region Hannover und Motorradbetriebe in Frankfurt am Main. Fragen Sie bei der Terminvereinbarung, ob Sie den Reifen selbst mitbringen können oder die Werkstatt ihn bestellt, und halten Sie die Reifengröße aus dem Fahrzeugschein bereit.

Reifendruck im Jahresverlauf

Die Außentemperatur beeinflusst den gemessenen Druck: An kalten Tagen zeigt das Manometer bei gleicher Luftmenge weniger an als im Sommer. Kontrollieren Sie den Druck deshalb gerade beim Saisonstart im Frühjahr und bei deutlichen Temperaturwechseln. Steht das Motorrad über den Winter, kann ein leicht korrigierter Druck Standplatten vorbeugen; manche Fahrer nutzen dafür einen Montageständer, damit die Reifen entlastet sind. Vor der ersten Fahrt stellen Sie den Druck wieder auf den Sollwert der Betriebsanleitung ein. Prüfen Sie dabei auch, ob die Reifen über den Winter Risse bekommen haben oder ob Ventile undicht geworden sind. Wer Fahrten mit vollem Gepäck plant, etwa für eine Urlaubstour, sollte den Druck am Abfahrtstag kalt anpassen und unterwegs nach längeren Pausen erneut kontrollieren.

Häufige Fragen

Muss ich den Reifendruck mit Sozius erhöhen?

Viele Hersteller geben für Soziusbetrieb oder Beladung höhere Werte an, vor allem für das Hinterrad. Halten Sie sich an die Tabelle in der Betriebsanleitung.

Ist der Wert auf der Reifenflanke der richtige Luftdruck?

Nein. Er gibt den maximal zulässigen Druck des Reifens an. Der empfohlene Fülldruck stammt vom Motorradhersteller.

Warum ist der Druck nach der Fahrt höher?

Warme Luft dehnt sich aus. Deshalb sollten Sie immer kalt messen und warme Reifen nicht auf den Kaltwert korrigieren.

Wie tief muss das Profil mindestens sein?

Für Krafträder 1,6 mm, für Leicht- und Kleinkrafträder 1 mm, jeweils im Hauptprofil am ganzen Umfang (§ 36 StVZO).

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