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Motorrad für Anfänger: Welche Maschine passt zum ersten Führerschein?

Von dw_moto · · 6 Min. Lesezeit

Ein gutes Motorrad für Anfänger erfüllt zuerst die Grenzen Ihrer Führerscheinklasse, also A1, A2 oder A. Danach zählen vor allem ein beherrschbares Gewicht, eine Sitzhöhe, bei der Sie sicher mit beiden Füßen stehen, und eine gleichmäßige Leistungsentfaltung. Ob neu oder gebraucht, entscheidet Ihr Budget; sicherheitsrelevant ist vor allem der technische Zustand.

Was Ihre Führerscheinklasse erlaubt

Die Grenzen der Klassen sind in § 6 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) festgelegt, die Mindestalter in § 10 FeV:

KlasseErlaubte MotorräderMindestalter
A1bis 125 cm³, höchstens 11 kW, Leistungsgewicht höchstens 0,1 kW/kg16 Jahre
A2höchstens 35 kW, Leistungsgewicht höchstens 0,2 kW/kg, nicht abgeleitet von einem Modell mit mehr als 70 kW18 Jahre
Aohne Leistungsbegrenzung24 Jahre, oder 20 Jahre bei mindestens zwei Jahren Vorbesitz von A2

Für die Klasse A2 kommen sowohl Motorräder infrage, die ab Werk unter 35 kW liegen, als auch gedrosselte Maschinen, sofern die Ausgangsleistung 70 kW nicht übersteigt. Die Drosselung muss in den Fahrzeugpapieren eingetragen sein. Lassen Sie sich das beim Kauf schriftlich bestätigen. Mehr zu den Klassen lesen Sie in den Beiträgen zum A2-Führerschein und zum A1-Führerschein.

Worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt

Sitzhöhe und Ergonomie

Beim Rangieren und an der Ampel müssen Sie das Motorrad sicher halten können. Die Sitzhöhe im Datenblatt ist nur ein Anhaltspunkt: Eine schmale Sitzbank lässt eine Maschine niedriger wirken als eine breite mit gleichem Wert. Setzen Sie sich deshalb beim Händler auf mehrere Modelle, und zwar in Ihrer Fahrerkleidung und mit Ihren Stiefeln. Viele Hersteller bieten niedrigere Sitzbänke oder Tieferlegungen an.

Gewicht

Ein leichtes Motorrad verzeiht beim Schieben, Wenden und langsamen Fahren mehr. Achten Sie auf die Angabe des Gewichts fahrbereit mit vollem Tank, nicht auf das Trockengewicht. Probieren Sie beim Händler aus, ob Sie die Maschine vom Seitenständer aufrichten und ein paar Meter schieben können.

Motorcharakter

Für den Anfang ist ein Motor angenehm, der schon bei niedrigen Drehzahlen gleichmäßig zieht. Spitze Leistung erst im hohen Drehzahlbereich erfordert mehr Erfahrung. Auch eine leichtgängige Kupplung und ein gut dosierbares Gas erleichtern den Einstieg.

Bauart

  • Naked Bikes: aufrechte Sitzposition, gute Übersicht, meist moderate Sitzhöhe
  • Cruiser: niedrige Sitzhöhe, entspannte Haltung, oft schwerer
  • Reiseenduros: komfortabel, aber oft hoch und kopflastig
  • Supersportler: sportliche Haltung mit viel Gewicht auf den Handgelenken, für den Alltag weniger bequem
  • Roller: Automatik, Stauraum, ideal für die Stadt; passende Modelle bei einem Motorrollerhändler

Neu oder gebraucht?

Ein Neufahrzeug bringt Herstellergarantie und aktuelle Technik wie ABS, das für neu zugelassene Motorräder über 125 cm³ seit Jahren Pflicht ist. Ein gebrauchtes Einsteigermotorrad kostet weniger, und kleine Umfaller schmerzen finanziell weniger. Bei einem Gebrauchtmotorradhändler haben Sie als Verbraucher zudem die gesetzliche Sachmängelhaftung, die bei gebrauchten Fahrzeugen vertraglich auf ein Jahr verkürzt werden kann. Beim Privatkauf wird sie häufig ausgeschlossen. Worauf es im Vertrag ankommt, lesen Sie im Beitrag zum Motorrad-Kaufvertrag.

Prüfen Sie bei Gebrauchten besonders: Sturzspuren an Hebeln, Fußrasten und Lenkerenden, den Zustand von Kette, Reifen und Bremsen, das Serviceheft sowie das Datum der nächsten Hauptuntersuchung.

Ausstattung, die den Einstieg erleichtert

Neben Leistung und Ergonomie gibt es Ausstattungsmerkmale, auf die Sie beim Vergleich achten können:

  • ABS, bei neueren Motorrädern meist serienmäßig, bei älteren Gebrauchten nicht immer
  • Anti-Hopping- oder Rutschkupplung, die beim Herunterschalten ein Stempeln des Hinterrads verringert
  • Einstellbare Hebel für Kupplung und Bremse, hilfreich bei kleinen Händen
  • Traktionskontrolle und Fahrmodi, die bei manchen Modellen eine sanftere Leistungsabgabe erlauben
  • Sturzbügel oder Sturzpads, die Schäden bei einem Umfaller begrenzen

Lassen Sie sich beim Händler zeigen, welche dieser Funktionen das jeweilige Modell hat und wie sie bedient werden.

Kosten realistisch planen

Neben dem Kaufpreis fallen regelmäßige Kosten an. Konkrete Beträge hängen stark vom Modell und Ihrer Situation ab, daher hier die Einflussfaktoren:

  • Versicherung: Alter, Wohnort, Leistung, Schadenfreiheitsklasse und Deckungsumfang
  • Kfz-Steuer: bei Motorrädern nach Hubraum berechnet
  • Schutzkleidung: Helm, Jacke, Hose, Handschuhe und Stiefel, etwa aus einem Fachgeschäft für Motorradbekleidung
  • Wartung und Verschleiß: Inspektionen, Reifen, Kette, Bremsbeläge
  • Hauptuntersuchung alle zwei Jahre

Einordnungen zu den einzelnen Posten finden Sie im Beitrag zu den Versicherungskosten fürs Motorrad.

So läuft der Besuch beim Händler ab

  1. Vorab überlegen: Einsatzzweck, Budget inklusive Kleidung, Führerscheinklasse.
  2. Führerschein und Personalausweis mitnehmen, falls eine Probefahrt möglich ist; Schutzkleidung nicht vergessen.
  3. Mehrere Modelle im Stand testen: Sitzhöhe, Lenkerposition, Gewicht beim Schieben.
  4. Nach A2-Tauglichkeit, Drosselung und späterer Entdrosselung fragen.
  5. Angebot inklusive Überführung, Zulassung und erster Inspektion schriftlich geben lassen.

Markenübergreifend aufgestellt sind beispielsweise die Roller & Motorrad Ranch in Köln und Motorrad Huchting in Bremen; einen Werkstatt- und Händlerbetrieb in einem bietet SB-Bikes. Welche Einsteigermodelle vorrätig sind, erfragen Sie direkt bei den Betrieben. Weitere Adressen sehen Sie unter anderem für Köln und Hamburg. Wie Sie eine Probefahrt vorbereiten, erklärt der Beitrag zur Motorrad-Probefahrt.

Wann Sie sich an wen wenden

Ihre Fahrschule kann einschätzen, welche Bauart zu Ihrem Fahrkönnen passt. Fragen zu Drosselung und Eintragung klären Sie mit der Werkstatt oder einer Prüforganisation wie TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS. Für einen Gebrauchtkauf lohnt ein unabhängiger Gebrauchtwagencheck. Beitragsfragen beantwortet Ihr Versicherer, Unklarheiten bei Kaufverträgen die Verbraucherzentrale. Zusätzlich empfehlen sich Fahrsicherheitstrainings, die Verkehrsclubs und Verbände anbieten.

Häufige Fragen

Darf ich mit A2 ein gedrosseltes Motorrad fahren?

Ja, wenn die gedrosselte Leistung höchstens 35 kW beträgt, das Leistungsgewicht 0,2 kW/kg nicht übersteigt und das Ausgangsmodell nicht mehr als 70 kW hat. Die Drosselung muss in den Papieren eingetragen sein.

Welche Sitzhöhe ist für Anfänger richtig?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, dass Sie im Stand sicher mit beiden Fußballen den Boden erreichen. Das hängt von Ihrer Schrittlänge und der Form der Sitzbank ab.

Ist ein 125er für den Anfang sinnvoll?

Für Fahrer mit A1 oder für den Stadtverkehr ist eine 125er oft eine gute Wahl, weil sie leicht und günstig im Unterhalt ist. Wer viel Landstraße oder Autobahn fährt, wünscht sich mit A2 häufig mehr Leistungsreserve.

Sollte ich zuerst die Schutzkleidung oder das Motorrad kaufen?

Die Kleidung brauchen Sie schon für eine Probefahrt. Planen Sie das Budget dafür von Anfang an ein, damit am Ende nicht an Helm oder Protektoren gespart wird.

Kann ich ein Motorrad später entdrosseln lassen?

Das ist bei vielen Modellen möglich, sobald Sie die passende Führerscheinklasse haben. Die Änderung muss fachgerecht erfolgen und in den Fahrzeugpapieren berichtigt werden. Fragen Sie schon beim Kauf, ob und wie das beim gewählten Modell vorgesehen ist, und informieren Sie danach Ihren Versicherer.

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